Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile

Neben dem „Arbeiten im spannungsfreien Zustand“ (unter Anwendung der fünf Sicherheitsregeln) und dem „Arbeiten unter Spannung“ (AuS) ist das „Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile“ die dritte Arbeitsmethoden nach VDE 0105 – 100.

Zur Erinnerung:
Von einer Gefahr ist auszugehen, wenn die zulässige Berührungsspannung überschritten wird (50 V AC bzw. 120 V DC).

Das „Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile“ wird wie folgt definiert:

„[…] umfasst alle Tätigkeiten, bei denen der Arbeitende mit Körperteilen oder Werkzeugen, Ausrüstungen und Geräten in die Annäherungszone eindringt, die Gefahrenzone jedoch nicht erreicht.“

Kurz gesagt, ist das „Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile“ arbeiten in der Annäherungszone. Es werden aber Unterschiede gemacht, ob die arbeitende Person über die Gefahren des elektrischen Stroms unterrichtet ist oder nicht: Die Annäherungszone für Laien ist größer als die Annäherungszone für Elektrofachkräfte (EFK) oder Elektrotechnisch unterwiesene Personen (EuP). Daher gelten für elektrotechnische Arbeiten andere Schutzabstände als für nicht elektrotechnische Arbeiten.

Ein Auszug aus der DIN VDE 0105 -100:

Nennspannung

Schutzabstand

(EFK/ EuP)

Bis 1000 V

0,5 m

über 1 kV bis 30 kV

1,5 m

Über 30 kV bis 110 kV

2,0 m

Über 110 kV bis 220 kV

3,0 m

Über 220 kV bis 380 kV

4,0 m

Quelle: VDE 0105-100

Folgende Punkte müssen beim Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile beachtet werden:

  • Der Verantwortliche muss prüfen, ob die betreffenden Teile nicht in den sicheren spannungsfreien Zustand überführt werden können (-> Arbeiten im spannungsfreien Zustand)
  • Treffen von Sicherheitsmaßnahmen um zu verhindern, dass in den Gefahrenbereich eingedrungen wird. Diese können sein:
    • Schutz durch Abdecken oder Abschranken oder
    • Schutz durch Abstand und Aufsichtsführung